Veröffentlicht am Di., 12. Mär. 2019 11:44 Uhr

In der Passionszeit gedenken Christen des Leidensweges von Jesus. Traditionell wurde in dieser Zeit gefastet. Dazu gehörte nicht nur der Verzicht auf gewisse Speisen, sondern auch das Fasten der Sinne. In vielen Kirchen wurden deshalb die prächtigen Altäre verhüllt.* Die Augen sollten fasten und dabei sollte das eigene Leben überprüft werden, vielleicht mit den Fragen: Was leitet mich in meinem Leben, worauf schaue ich?

An die Tradition der Verhüllung des Altars knüpft die Kunstinstallation in der Johanneskirche in Berlin-Frohnau an, die die Künstlerinnen Heide Lethaus und Susanne Schill entwickelt haben. Drei leichte Tücher verhüllen das Kreuz. Je nach Lichteinfall und Tageszeit scheint das Kreuz hindurch. Auf dem Altar liegt Dornengestrüpp, dessen Schatten auf dem Tuch erscheint. Warum verhüllen wir aber ein Kreuz – das doch per se auf die Passion hinweist? Zunächst einmal bedeutet das Kreuz nicht nur ein Symbol des Leidens. Es steht auch dafür, dass durch das Leiden Jesu der Himmel geöffnet wurde. Dieser Gedanke spiegelt sich auch in der traditionellen Bußfarbe der Passionszeit wieder. Lila setzt sich zusammen aus Rot und Blau, den Farben des Irdischen und des Himmlischen.

Mit der Verhüllung des Kreuzes und seiner gleichzeitigen Transparenz lädt die Evangelische Kirchengemeinde Frohnau dazu ein, über das eigene Leben nachzudenken. Ganz im Sinne der Farbe Lila: Wo scheint Gottes Wirklichkeit durch mein Leiden hindurch?

(Text: Pfarrer Dr. Ulrich Schöntube)


*) Näheres über die Tradition der Fastentücher finden Sie in der März-Ausgabe des Gemeindeblattes der Evangelischen Kirchengemeinde Frohnau

(Fotos: privat)

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