Veröffentlicht am So., 9. Jun. 2019 00:00 Uhr

Auf dieser Seite finden Sie eine Rundfunkandacht von Superintendentin Beate Hornschuh-Böhm.
(Foto: Rolf Zöllner)

Andacht vom 9. Juli 2019 - Pfingstsonntag

Das Wort auf rbb 88,8
von Beate Hornschuh-Böhm
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„Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen,“ spricht der Herr Zebaoth (Sacharja 4,6).

PFINGSTEN! – Das bedeutet ein langes Wochenende im späten Frühling, ein kurzer Urlaub vor dem Sommer. Je nach Wetter und Laune zieht es die einen raus ins Grüne oder zum Grillen in den Garten. Andere mögen lieber das bunte Treiben beim Stadtteilfest oder entspannen beim Open-Air-Konzert in der Abenddämmerung. Wie auch immer: die hellen Feiertage sind eine willkommene Unterbrechung im durchgeplanten Wochenrhythmus. Sie sind Balsam für gestresste Nerven.

Solche Atempausen tun gut. Wir brauchen sie zum Abschalten und Innehalten. Denn Arbeitsverdichtung und Zeitmangel gehören längst zu unseren üblichen Begleitern im Alltag. Die Älteren unter uns spüren den wachsenden Leistungsdruck im Arbeitsleben und verabschieden sich immer häufiger in den Ruhestand, bevor sie die eigentliche Altersgrenze erreichen. Den Kindern wird schon in der Grundschule eingetrichtert, dass gute Noten nur mit entsprechend viel Einsatz und Anstrengung zu haben sind. Ohne Power – so die Botschaft - geht eben nichts im Leben.

„Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch Gottes Geist geschehen,“ sagt dagegen der Prophet Sacharja. Das ist die pfingstliche Alternative zu einer Haltung, die meint, dass nur der Stärkere gewinnen kann. Das ist die heilsame Wahrheit gegen den Irrglauben, mit Geld ließe sich alles kaufen und mit Ellenbogen jedes Ziel erreichen. Wohl gemerkt: Damit ist nichts gesagt gegen die berechtigte Freude an der eigenen Leistung, gegen Engagement und Stehvermögen! Doch es kommt dabei auf den Geist an, aus dem diese Kräfte erwachsen. Was treibt uns an? Zwang und der Druck, das Ziel um jeden Preis erreichen zu müssen? Oder leben und handeln wir im Geist der Gelassenheit und sind dabei gnädig mit anderen – und auch mit uns selbst?

Beim ersten Pfingstfest in Jerusalem, so erzählt es die Bibel, kam der Geist Gottes über die dort versammelten Menschen. In der Gestalt von Feuerflammen ließ er sich auf ihnen nieder. Eine wunderbare Energie erfasste sie. Sie spürten ein Gefühl von Gemeinschaft und Verständnis für einander, ein Erlebnis von Nähe und etwas ganz Großem. Ein Gott-ist-da-Gefühl – so nennt es der Theologe Nils Petersen: heiß und belebend, aber auch wohltuend und so sanft wie eine Taube. Ganz ohne ihr Zutun wuchs in den Menschen damals die Kraft, sich als Gemeinschaft zu begreifen. Sie spürten eine Sympathie füreinander, die sie aufeinander achten lehrte. Und sie entdeckten dabei, wie sie sich bei aller Unterschiedlichkeit wunderbar ergänzten.

All das feiern wir an Pfingsten Jahr für Jahr.

Denn seit jenen ersten Pfingsttagen weht der Geist Gottes unablässig durch die Welt, erfrischend anders ohne jeden Kraftakt und ohne Überwältigungsstrategie, vielmehr spielerisch leicht und behutsam. Wo er sich niederlässt, da fällt alle Hektik und aller Druck von uns ab. Er ist das Ende aller Zerstreutheit und der Anfang von Gemeinschaft. Der Geist von Pfingsten hält die Erinnerung daran wach, was das Leben dauerhaft stark macht und nicht nur kurzfristig den eigenen Interessen dient. Dieser gute Geist ist Vitamin für die Seele jeden Tag, so willkommen wie ein schönes langes Frühlingswochenende.

Beate Hornschuh-Böhm

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