Veröffentlicht am Mi., 23. Okt. 2019 10:14 Uhr

Für seelische Unterstützung mit viel Humor hat der bekannte Clown, Coach, Autor und Gründer des Trainingsprogramms „HiP Humor in der Praxis“ bei der Fortbildung von Ehrenamtlichen gesorgt, die Menschen in Pflegeheimen in Reinickendorf besuchen. Eingeladen hatte ihn Sigrid Tempel, Diplompädagogin und Leiterin des Evangelischen Besuchsdienstes in Altenpflegeheimen im Kirchenkreis Reinickendorf.   

„Der Alltag in Heimen ist eher trist und traurig und die Besuche sind mitunter sehr belastend“, sagt Tempel. Sie leitet eine Gruppe von 22 Frauen und Männern, die jede Woche jeweils einen bestimmten Menschen in einem Altenpflegeheim besuchen. Zu den sechs Einrichtungen gehören das Johanniter-Stift, das Renafan und das domino-world Club in Tegel, das Alloheim und das Vitanas im Märkischen Viertel und das Casa Reha in der Ollenhauer Straße.

Das Ziel der halbtägigen Fortbildung, an der 18 Personen teilnahmen, hat Paul Kustermann erreicht, der auch als sogenannter Clownbotschafter für „Rote Nasen Clowns im Krankenhaus“ tätig war. Er hat den ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen Mittel und Verhaltensstrategien aufgezeigt, die sie bei ihrer schwierigen Aufgabe unterstützen, wie die Seminar-Teilnehmerin Hannelore Lauffer in ihrem Erfahrungsbericht schreibt. Hier finden Sie einen Auszug davon:  

„Als ich meiner Tochter das Gruppenfoto von uns allen mit grüner Nase nach Amerika mailte - sie sollte mich auf dem Bild suchen - antwortete sie: „Das ist ja schön, dass Du so lustige Veranstaltungen besuchst". Na ja, ganz so lustig war es nicht. Aber auch lustig! Und die Mischung, die dieser erfahrene Menschenkenner Kustermann an mich und die Gruppe der anwesenden Gäste weitergeben konnte, war beeindruckend.

Sich kennen lernen, aufeinander zugehen, Blickkontakt aufnehmen in verschiedenen Spielen mit wenig Hilfsmitteln wie Federn, Luftballons und Seifenblasen, das war heiter und vergnüglich. Sehr beeindruckt haben mich die Berichte, die Kustermann aus seiner Arbeit mit Schwerkranken und Sterbenden erzählt hat. Sein persönliches Engagement, die Welt positiv zu sehen, Empathie, Humor und Spiele einzusetzen - mit Fächern "Wind" erzeugen, mit Federn die Augenbraue streicheln, dem Menschen oder Patienten in die Hand singen...

Nichts fürchten, nur da sein, mutig sein, die Ängste des kranken Menschen aushalten, annehmen, Kontakt über die Berührung der Füße aufnehmen, ablenken und sogar Gespräche mit Verstorbenen anbieten: Telefonieren - mit Handfeger oder Notizheft als Telefon- Ersatz. Lächeln oder Tränen hervorzaubern - das alles war sehr emotional und bewegend.

Sehr wichtig und hilfreich für meine ehrenamtliche Arbeit war das "Geständnis", dass es Kustermann nicht immer gleich gelingt, einen positiven Kontakt bei seinen Besuchen aufzubauen. Dann geht er einen Schritt zurück, muss nichts tun, weiß, dass er nicht für alle Defizite verantwortlich ist, versucht aber, die vorhandenen Ressourcen erlebbar zu machen: Nicht mehr laufen können, aber die Feder an der Fußsohle spüren. Nicht reden, nichts wollen, das kann Vertrauen herstellen. Ich habe Vertrauen in meine eigenen Fähigkeiten wahrgenommen und spüre auch deutlicher meine Grenzen bei Besuchen, die ich mache. Das hilft mir, den richtigen Zeitpunkt zum Abschied zu finden, ohne Erschöpfung oder Frust.“  (Teilnehmerin Hannelore Lauffer)

Foto: privat

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