Veröffentlicht am Do., 2. Apr. 2020 12:15 Uhr

Liebe Christinnen und Christen, liebe Menschen in Reinickendorf,  

es ist ein ungewöhnliches Fasten, das die Passionszeit in diesem Jahr begleitet. Draußen beginnt es zu grünen und zu blühen, und wir müssen drinnen bleiben. Kontakte sind auf ein Minimum reduziert, das öffentliche Leben weitgehend zum Stillstand gekommen. Auch im Kirchenkreis Reinickendorf. Wann wir Sie wieder zu Gottesdiensten und Andachten in Kirchen, zur Kreissynode, zu Konventen und Sitzungen einladen können, ist heute noch völlig offen.

Schwerer jedoch als alle Einschränkungen wiegen die existenziellen Sorgen, die viele Menschen umtreiben: Welche Opfer wird die Pandemie noch fordern? Wie belastend werden am Ende die Folgen sein für die Wirtschaft, den sozialen Zusammenhalt und die persönlichen Beziehungen? Wie lange halten unsere guten Vorsätze von Geduld und Solidarität den Verboten stand?

Mitten in diese Zeit der Ungewissheit fällt Ostern, das Fest der Auferweckung Jesu zu neuem Leben, das Ur-Datum der Christenheit. Wir feiern es diesmal ohne Osternacht vor Ort, ohne Osterfeuer und Osterfrühstück, aber doch mit dem unkündbaren Versprechen: „Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Gott sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unseren Herrn Jesus Christus.“  

Wir kommen um Krankheit und Krisen, um Verluste, Versagen und Sterben nicht herum. Wir haben eben kein „todfreies Leben“ (Dorothee Sölle). Aber seit jenem ersten Ostern sind wir dem Tod in seinen vielfachen Gestalten auch nicht mehr hilflos ausgeliefert, denn Gott lässt uns teilhaben an seinem Sieg über den Tod. Er hat ihn regelrecht verschlungen, sagt der Apostel Paulus, er hat ihn „gefressen“. Bei allen berechtigten Ängsten durch die Pandemie gibt es für uns daher keinen Grund zur Resignation. Auch Covid 19 kann diesen Sieg nicht rückgängig machen. Gott ist weiterhin unermüdlich am Werk, uns zu beleben und neues Leben zu schaffen, kreative Energien zu wecken und Anfänge zu setzen. Das wollen wir feiern, egal wo und wie, mit Glockenläuten und Liedern, mit Gebeten und Gottes Segen.

Wir müssen uns noch gedulden, bis der gewohnte Alltag zurückkehrt. Aber in der Vorfreude auf ein Wiedersehen grüßt Sie mit guten Wünschen für Sie und alle, die Ihnen verbunden sind

Ihre
Beate Hornschuh-Böhm
Superintendentin
Kirchenkreis Reinickendorf

Osterbrief zum Herunterladen (PDF)

Osterbrief zum Anhören:

Titelfoto: pixabay.com, Foto von Beate-Hornschuh-Böhm: Martin Bahr[at]piqx.de

Kategorien Rundfunkandachten