Veröffentlicht am So., 31. Mai. 2020 14:05 Uhr

Mit einem feierlichen Trauergottesdienst in seinem" kleinen Kirchlein", der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche auf dem Gelände der ehemaligen Karl-Bonhoeffer-Nervenanstalt (KaBoN) in Berlin-Reinickendorf, wurde Pfarrer Bernd Schade am 10. Juni 2020 gedacht. Er war nach langer Krankheit am 30. Mai 2020 im Alter von 65 Jahren im Kreis seiner Familie in Berlin gestorben.

Schade war seit 1992 als Krankenhausseelsorger im Maßregelvollzug auf dem KaBoN-Gelände im Kirchenkreis Reinickendorf tätig, betreute Häftlinge seelsorgerlich und lud zum Gottesdienst in der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche ein. Beate Hornschuh-Böhm, Superintendentin des Kirchenkreises Reinickendorf, sagte in der Traueransprache: „Bernd Schade war überzeugt, dass sich in der Seelsorge mit persönlichkeitsgestörten Menschen das christliche Menschenbild am stärksten zu bewähren hat, nämlich in der Unterscheidung von Person und Verhalten, von Täter und seiner Tat, von dem Menschen an sich und dem, wozu er fähig ist. Ein Mensch ist nicht nur die Summe seiner Taten, er ist vielmehr ein Geschöpf Gottes, das zum Wandel und zur Veränderung fähig und berufen ist.“

Als leidenschaftlicher Motorradfahrer war Schade von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) außerdem mit der Seelsorge für Motorradfahrerinnen und -fahrern beauftragt, was ihn weit über den Kirchenkreis Reinickendorf hinaus bekannt gemacht hat. "Dabei haben wir es sicherlich mit Bernd Schades bekanntester und öffentlichster Seite zu tun", sagte Hornschuh-Böhm. Einer Seite, die ihn in den Medien zum „abgefahrensten Pfarrer der Landeskirche“ oder auch zum „schnellsten Pfarrer Deutschlands“ gemacht habe.

Hornschuh-Böhm beschrieb das Wirken des Verstorbenen weiter: "Bernd Schade sagte einmal: Freiheit muss man ausatmen. Wie viel er in dieser Funktion aufgebaut und geleistet hat, das wissen am ehesten die zu erzählen, die jahre- und jahrzehntelang mit ihm unterwegs waren, von der Ostsee bis zum Erzgebirge, quer durch Osteuropa bis hin zu der legendären Weiße-Nächte-Tour vor zehn Jahren nach St. Petersburg. Es ging ihm hierbei um Grenzüberschreitungen in mehrfachem Sinne, um Friedens-, Freundschafts- und Versöhnungsfahrten, um mehr Aufmerksamkeit für ärmere und gerne übersehene Länder und Leute in unserer europäischen Nachbarschaft.“

In seiner Zeit als Kreisjugendpfarrer von 2008 bis 2014 hat Schade die Arbeit mit den Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit der Arbeit für die Motorradfahrer und -fahrerinnen verknüpft. So kam es dazu, dass die Gruppe "Christ und Motorrad" mehrfach an Landesjugendcamps der EJBO, dem evangelischen Jugendverband der EKBO, beteiligt war.

Rund 170 Trauergäste nahmen Abschied von dem Verstorbenen, nach den Vorgaben des Abstands- und Hygieneschutzes verteilt auf die Dietrich-Bonhoeffer-Kirche und die daneben liegende Wiese, auf der die Trauernden dem Gedenkgottesdienst lauschen konnten, da er per Audio nach draußen übertragen wurde. Neben Familienmitgliedern, Freunden, Weggefährten und Kolleg*innen waren auch viele Trauernde der Gruppe Christ und Motorrad vor Ort. 

Zum Gedenken an Bernd Schade können Nachrichten auf diese digitale Erinnerungswand geschrieben werden:

Foto: privat

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