Veröffentlicht am Mo., 16. Mär. 2015 13:26 Uhr

In einem von der evangelischen Kirche initiierten offenen Brief im Herbst 2013 begrüßten zahlreiche Bürger die in Reinickendorf untergebrachten Flüchtlinge mit herzlichen Worten und drückten ihre Anteilnahme an den Leidenswegen der asylsuchenden Menschen aus.

„Die schutzsuchenden Menschen sind bei uns herzlich willkommen. Sie brauchen nach den traumatischen Erlebnissen in ihrer Heimat und einer oftmals lebensgefährlichen Flucht einen Ort, an dem sie zur Ruhe kommen und ihr Leben neu ausrichten können“, sagte die Autorin des offenen Briefes, die Superintendentin des evangelischen Kirchenkreises Reinickendorf, Beate Hornschuh-Böhm in Berlin. Mit der vielbeachteten Aktion dokumentierten die Reinickendorfer die Willkommenskultur in ihrem Stadtteil.

Hornschuh-Böhm (60, Foto) ist Mitglied im „Netzwerk für Flüchtlinge in Reinickendorf“, einem Zusammenschluss von Bürgern aus Politik, Schule, Nachbarschaft und Kirche, das sich für die im Bezirk ankommenden Flüchtlinge engagiert. Im Herbst 2013 waren etwa 700 Flüchtlinge an zwei Standorten in Reinickendorf untergebracht. Dabei handelte es sich überwiegend um Frauen und Kinder. In ihrem Schreiben wandte sich Hornschuh-Böhm als Leiterin des damals 19 Kirchengemeinden umfassenden Kirchenkreises an „bekanntere und weniger bekannte Reinickendorferinnen und Reinickendorfer“ mit der Bitte, in einem kurzen Statement einen Willkommensgruß an die Flüchtlinge zum Ausdruck zu bringen. Innerhalb kurzer Zeit haben rund 50 Personen unterschiedlicher Konfessionen aus den verschiedensten Berufs- und Altersgruppen mit einem Gruß reagiert.

Im folgenden finden Sie eine Auswahl der Willkommensgrüße von Reinickendorfer Bürgerinnen und Bürgern aus dem Herbst 2013:

„Es gibt keine großen Entdeckungen und Fortschritte, solange es noch ein unglückliches Kind auf Erden gibt, hat Albert Einstein gesagt. Alle Kinder sind an meiner Schule, der Hermann-Schulz-Grundschule, willkommen, aus welchen Ländern, aus welchen Wohnungen oder familiären Verhältnissen sie auch kommen mögen. Ihre leuchtenden Augen, ihr Eifer beim Lernen der deutschen Sprache, ihr freundlicher Gruß im Schulhaus zeigen mir täglich ihre Dankbarkeit.“

Brigitte Dietrich, Rektorin der Hermann-Schulz-Grundschule

„Niemand flüchtet freiwillig irgendwohin! Wir müssen aufhören, die Schuld bei den Ärmeren zu suchen. Ich wünsche den Flüchtlingen, dass sie hier die Ruhe und Lebensfreude wiederfinden, die ihnen zu Hause verloren gingen.“

Martin Végh, Hausmeister

„Ich möchte die Flüchtlinge in Berlin-Reinickendorf (und anderswo) ganz herzlich willkommen heißen! Sie stellen für unsere Kultur eine Bereicherung dar, auch wenn viele Menschen das vielleicht nicht sofort erkennen können.“

Birgit Flege, Kultur- und Bildungsmanagerin

„Wenn davon die Rede ist, es seien zu wenig Unterkünfte für Asylbewerberinnen und Asylbewerber da, dann klingt das nach einem nie dagewesenen Zustrom von Flüchtlingen. Tatsache ist aber, dass sie uns seit der Verschärfung der Asyl- und Flüchtlingspolitik in Deutschland Anfang der 90er Jahre zu sehr aus dem Blick geraten sind. Jetzt werden wir täglich mit der Nase darauf gestoßen, was wirklich in unserer Welt los ist und haben die Chance, alte Fehler zu korrigieren!“

Björn Sellin-Reschke, Pfarrer in Luther Alt-Reinickendorf

„Wer verlässt ohne Not sein Dorf, seine Nachbarn, seine Sprache? Dann werden wir eine Hoffnung. Wir sollten sie erfüllen: Willkommen in Reinickendorf!“ 


Heinz Dykstra, Schulleiter der evangelischen Schule Frohnau (Foto: privat)

„Viele von uns älteren Menschen haben in den letzten Monaten des Krieges und danach Flucht und Vertreibung erlebt und auch, dass sie in der neuen Umgebung nicht immer mit Bereitschaft und Verständnis aufgenommen wurden. Das wollen wir denen gegenüber, die bei uns Zuflucht suchen, anders machen und sie wissen lassen: Kommt her, wir wollen gern helfen, euer schweres Los zu ertragen!“

Christl Behrendt, Seniorin

„Ich war wieder in Eile, genervt vom Schon-Wieder-Regen, in Gedanken schon bei der Arbeit. Am Marie-Schlei-Haus spielten Kinder im Regen. Selbstvergessen. Begeistert über so viel geschenktes Wasser. Einen Moment habe ich zugesehen und das Wunder betrachtet. Wie gut wir es haben, dass es bei uns regnet. Wie gut es ist, dass wir Fremde zu uns bitten können, um uns dieses Wunder neu zu zeigen. Wir können viel voneinander lernen. Herzlich willkommen!“

Sigrid Jahr, Pfarrerin am Hausotterplatz

„Ich möchte folgendes nie vergessen: Das Baby Jesus war ein Flüchtling. Meine Mutter war ein Flüchtling. Ich habe sechs Jahre im Ausland gelebt und war dort willkommen.“

Regina Schlingheider, Diakonin in Tegel-Süd

„Ich heiße die Menschen, die unverschuldet in große Not geraten sind, herzlich in Reinickendorf willkommen. Ich hoffe, dass sie während ihres Aufenthaltes zur Ruhe kommen und keine Angst mehr um ihr Leben haben müssen. Als Christ ist Helfen eine Selbstverständlichkeit und ich freue mich, wenn möglichst viele Menschen diese Aktion unterstützen.“

Matthias Wichers, Bankbetriebswirt

„Ein fast 3000 Jahre altes Wort aus der Bibel sagt alles: ´Die Fremdlinge sollst du nicht bedrängen und bedrücken.´ Wir in Reinickendorf stehen den Menschen zur Seite, die sich fern der Heimat neu orientieren müssen und freuen uns auf die Begegnungen!“

Elisabeth Kühn, Pfarrerin in Waidmannslust

„Flüchtlinge brauchen Schutz! Wir in Reinickendorf können hier alle mithelfen: Empfangen wir die Hilfesuchenden mit Großzügigkeit und Offenheit. Helfen wir ihnen alle gemeinsam, über die schwierige Situation hinwegzukommen. Auch wir können viel von Asylsuchenden lernen. Bitte helfen Sie alle mit!“

Hinrich Westerkamp, Manager

„Viele deutsche Bürger haben selbst leidvolle Fluchterfahrungen gemacht und wissen, was es heißt, einen Ort zum Leben zu suchen, aber nicht angenommen zu werden. Umso mehr wollen wir versuchen, den Flüchtlingen das Leben in der Fremde zu erleichtern. Wir wollen uns von den neuen Bewohnern nicht abwenden, sondern auf sie zugehen und uns ihnen öffnen.“

Mechthild Rieger, Rentnerin

„Die Flüchtlinge sind in Reinickendorf sehr willkommen. Ich wünsche ihnen von Herzen, dass sie nach all dem Schrecklichen, das sie erleiden mussten, in unserem schönen und grünen Bezirk zur Ruhe kommen sowie neue Kraft und eine gute Perspektive für das weitere Leben bekommen können. Mögen ihnen viele freundliche und offene Reinickendorfer begegnen.“

Michael Klein, Amtsanwalt (Foto: privat)

"Das Recht auf Asyl ist ein Grundrecht. Im Schatten der politischen und rassistischen Verfolgung durch die Nationalsozialistische Diktatur haben die Mütter und Väter des Grundgesetzes dieses Bekenntnis zur Nächstenliebe den Grundwerten unserer Gesellschaft hinzugefügt. Als freiheitsliebende, mitfühlende Reinickendorfer Staatsbürger sollten wir diesem historischen Aufruf zur Nächstenliebe von ganzem Herzen nachkommen."

Borai Tim Göhrt, Student der Rechtswissenschaften

„Ich hoffe, dass die Flüchtlinge in Reinickendorf erfahren, dass sie willkommen sind. Keiner von uns kann wahrscheinlich ermessen, was es heißt, so viel Schlimmes zu erleben. Jetzt sollte für diese Menschen die Zeit beginnen, in der sie verarbeiten und zuversichtlich nach vorn schauen dürfen.“

Christine Klein, Einzelhandelskauffrau

„Ich möchte die Flüchtlinge persönlich und auch im Namen der katholischen St. Mariengemeinde herzlich in Reinickendorf begrüßen und hoffe, dass die Menschen hier Frieden finden.“

Monsignore Michael Töpel, Pfarradministrator von St. Marien in der Klemkestraße

„Wir sollten die Flüchtlinge in Reinickendorf willkommen heißen und ihnen mit viel Menschlichkeit und Herzlichkeit begegnen. Das sollten wir ihnen in Worten und Taten zeigen , so dass sie möglichst schnell die schrecklichen Erlebnisse in ihren Heimatländern verarbeiten können.“

Marion Kheir, Studienrätin im Ruhestand

„Wer vom Krieg traumatisiert ist, Angst um sein Leben hat, politisch verfolgt wird und seine Heimat verlassen muss - ist bei uns willkommen. Es ist für mich als Tegeler in Reinickendorf ein persönliches Anliegen zu helfen. Elend und Verfolgung haben auch wir Deutsche erlebt, und es wurde uns geholfen. Nach vielen Jahren sind zum Glück auch Reinickendorfer Politiker bereit, unseren Bezirk für Flüchtlinge zu öffnen, darüber freue ich mich!“

Klaus Murawski, Elektromechaniker

„In Berlin ist die Welt zu Hause. Es ist Bürgerpflicht, in Wort und Tat dazu beizutragen, dass aus Kriegs- und Krisengebieten fliehende Menschen bei uns Schutz finden.“

Berliner Landesbischof Markus Dröge (Foto: Jens Bösenberg, EKBO)

„´…zwei fremde Augen, ein kurzer Blick, die Braue, Pupillen, die Lider – Was war das?´ Mit diesen Worten aus einem Gedicht von Kurt Tucholsky wünsche ich den Flüchtlingen, dass sie in dieser sonst so anonymen Großstadt, Menschen begegnen werden, die ihnen Kraft und Hoffnung für die Zukunft geben.“

Angelina Kosan, Erzieherin

„Ich unterstütze mit voller Kraft die Initiative, Flüchtlinge aus aller Welt in unserem Bezirk Reinickendorf willkommen zu heißen.“

Prof. Dr. Jürgen Nowak, emeritierter Professor der Sozialen Ökonomie und Soziologie

„Nehmen wir die Flüchtlinge in unsere Mitte und hören Ihnen zu! Ihre Lebenswege kreuzen jetzt die unseren; es bereichert uns, wenn wir von ihren Erfahrungen lernen.“

Pfarrerin Irmela Orland, als Religionslehrerin an Reinickendorfer Schulen tätig

„Wir, Mitglieder und Freunde der Reinickendorfer Gruppe der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Verband der Antifaschisten (VVN-VdA) werden uns mit allen uns zur Verfügung stehenden Kräften für die menschenwürdige Unterbringung der Asylsuchenden in unserem Bezirk einsetzen. Wir, viele selbst NS-Verfolgte oder deren Kinder, gedenken mit Hochachtung der vielen Völker und Staaten, die deutsche Verfolgte zwischen 1933-1945 aufgenommen und so ihr Leben gerettet haben. Ohne ihre Hilfe wäre die unvorstellbare Zahl der Opfer des Faschismus noch viel höher gewesen.“

Vera Seidel für die Reinickendorfer Gruppe der VVN-VdA

„Den Schutzsuchenden wünsche ich, dass sie bei uns freundlich und mit Achtung empfangen werden.

In unserem Land herrscht Frieden, so können wir dankbar sein und dazu beitragen, dass die leidtragenden Frauen, Kinder und Männer den nötigen Schutz finden und sich sicher und geborgen fühlen.“

Renate Geldmeyer, Sekretärin

„Wir heißen die Familien willkommen. Sie haben ihre Heimat verloren, Schlimmes durchgemacht und brauchen Sicherheit, unsere Unterstützung und das Gefühl, hier auf Verständnis, Herzlichkeit und Hilfe zu stoßen.“

Brigitte Stiller, Lehrerin

„´Bleibt fest in der brüderlichen Liebe. Gastfrei zu sein, vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt´, ist eines meiner Lieblingsworte aus dem Neuen Testament. Dieses Wort gilt auch und besonders für die Gastfreundschaft gegenüber Flüchtlingen.“

Birgit Zander, Pfarrerin in der Krankenhausseelsorge (Foto)

Hier finden Sie die Pressemitteilung des evangelischen Kirchenkreises Reinickendorf zum Download:

PM Reinickendorfer heißen Flüchtlinge willkommen.pdf

Graphik: Rike / pixelio

Kategorien Flüchtlinge: Nachrichten