Veröffentlicht am Do., 11. Feb. 2016 10:41 Uhr
Vater und Sohn beim Renovieren der Wohnung

Vater und Sohn bei der Renovierung der Wohnung

In frisch renovierte Wohnungen von evangelischen Kirchengemeinden in Berlin-Reinickendorf ziehen bereits zum zweiten Mal Flüchtlingsfamilien ein. Die Geflüchteten haben bei den Arbeiten zusammen mit Ehrenamtlichen tatkräftig mit angepackt.

Eine Mutter (27) mit vier Kindern zwischen vier und zehn Jahren aus Inguschetien soll hoffentlich bald in die ehemalige Hauswartswohnung im Lübarser Pfarrhaus einziehen. Die Zustimmung zum Mietvertrag durch das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) steht derzeit noch aus. Die Familie hat seit mehr als drei Jahren in der Unterkunft auf dem Gelände der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik gelebt. „Damit geben wir der Familie eine Chance auf ein normales Leben. Nur so kann Integration gelingen“, sagt Pfarrerin Ute Sauerbrey.

Im Rahmen des Projektes „better place-leben teilen“ werden nicht genutzte Räumlichkeiten im Bezirk, z. B. von Kirchengemeinden mit geringen finanziellen Mitteln und tatkräftiger, ehrenamtlicher Unterstützung nutzbar gemacht. Diese werden dann einzelnen Familien, die in prekären Wohnverhältnissen leben müssen, wie zum Beispiel Menschen, die keinen Zugang zu Wohnraum haben oder Familien aus Flüchtlings- und Asylbewerberunterkünften, von den Eigentümerinnen und Eigentümern zu angemessenen Mietkosten zur Verfügung gestellt.

In Lübars steht eine Vier-Zimmer-Wohnung mit 87 Quadratmetern für die Familie zur Verfügung. Im Sommer war die ehemalige Haus- und Kirchwartswohnung mit großem ehrenamtlichen Einsatz grundsaniert worden. In den vergangenen zwei Monaten tummelten sich dann ehrenamtliche Helfer unter Anleitung der Bauchfachfrauen e.V. für die letzten Arbeiten wie Tapeten abreißen, neu tapezieren, zusammen mit der Familie Möbel besorgen, aufbauen, Lampen anbringen in den Räumen.

Bereits im Juli 2015 war eine vierköpfige Flüchtlings-Familie ist in eine frisch renovierte Wohnung der Evangelischen Hoffnungskirchengemeinde Neu-Tegel in Berlin-Reinickendorf eingezogen. Die Flüchtlinge aus Turkmenistan lebten seit 1,5 Jahren in einer Gemeinschaftsunterkunft in der Scharnweberstraße und haben bei der Renovierung zusammen mit ehrenamtlichen Helfern der Gemeinde tatkräftig mit angepackt.

Das Ehepaar sucht die Farbe für die Wand aus.

Das Ehepaar sucht die Farbe für die Wand aus.

Die von der Evangelischen Hoffnungskirchengemeinde Neu-Tegel zur Verfügung gestellte Pilot-Wohnung mit 2 ½ Zimmern war die erste Umsetzung des Projektes in Reinickendorf. "Wir freuen uns sehr, der Flüchtlings-Familie aus Zentralasien eine Wohnung anbieten zu können", sagt die Superintendentin des evangelischen Kirchenkreises Reinickendorf, Beate Hornschuh-Böhm. Dieses Projekt sei ein Beispiel für tatkräftige Unterstützung bei der Integration von Asylbewerbern und Flüchtlingen in die Gesellschaft. Damit werde die bereits durch das große Netzwerk von Ehrenamtlichen und durch Engagierte in Politik, freien Trägern und Schulen etablierte Reinickendorfer Willkommenskultur weiter ausgebaut, die im Herbst 2013 durch einen von der evangelischen Kirche initiierten Offenen Brief - einen Willkommensgruß für Flüchtlinge - schon dokumentiert wurde.

Vater der Familie und ein Ehrenamtlicher beim Streichen der Wände
Vater der Familie und ein Ehrenamtlicher beim Streichen der Wände

Seit dem 1. Mai 2015 wurde die Wohnung in Neu-Tegel unter der Projektsteuerung und Anleitung von BAUFACHFRAU Berlin e. V. gemeinsam mit der Flüchtlingsfamilie und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern renoviert. Der partizipative Projektansatz verknüpft beispielhaft die Wohnraumversorgung von Flüchtlingen mit sozialer Integration und Vernetzung. Im Rahmen des Bauprozesses werden Akteurinnen und Akteure im Bezirk, insbesondere Vertreterinnen und Vertreter von Flüchtlingsorganisationen und des Bezirksamtes, Bewohnerinnen und Bewohner sowie Vermieterinnen und Vermieter, Migrantinnen und Migranten sowie Flüchtlinge in einen Dialog gebracht und eine Hilfe zur Selbsthilfe geleistet. Bei der partizipativen Umgestaltung der Räume findet das Lernen im wahrsten Sinne des Wortes ein „zuhause“, die Flüchtlinge erfahren wieder Selbstvertrauen und Umsetzungskompetenz, das Mitwirken beim Bauen und Gestalten fördert die Identifikation mit dem Ort.

Pfarrer Jörg Vogel (links) mit der Familie vor der Hoffnungskirche

Pfarrer Jörg Vogel (links) mit der Familie vor der Hoffnungskirche

Die vierjährige Tochter der Familie besucht seit August die evangelische Kindertagesstätte der Gemeinde, und der sechsjährige Sohn wurde in eine Grundschule eingeschult.

Bezirksstadtrat Andreas Höhne, Schirmherr des Projektes sagt: „Ich bin der Evangelischen Kirchengemeinde Hoffnungskirche Neu-Tegel sehr dankbar, dass Sie sich hier engagiert und sich mit dem Bezirk gemeinsam auf den Weg gemacht hat, dieses tolle Projekt zu starten. Der Familie wird damit eine menschenwürdige Unterkunft geboten.“

Kontakt und Ansprechpartnerinnen: BAUFACHFRAU Berlin e.V. – Ilka Holtorf und Ute Mai

Tel. 92092176 oder mobil 0176 200 46 358 – www.baufachfrau-berlin.de

Kategorien Flüchtlinge: Nachrichten